Bhikṣu Thích Thông Kiên, geboren 1990 in Deutschland, ist der zweite Schüler von Thích Hạnh Giới. Sein Übungsweg verbindet die vietnamesische Lâm-Tế-Chan-Tradition mit einem traditionsübergreifenden Studium und einer intensiven Meditationspraxis.
Seinen ersten Kontakt mit dem Buddhismus erhielt er bereits in seiner Kindheit durch seine Familie. Seine Mutter, sein Onkel, weitere Verwandte sowie seine Großmutter, die buddhistische Nonne Thích Tuệ Đàm Giác, vermittelten ihm früh die Werte und Praxis des buddhistischen Lebens. Seine Zufluchtnahme zu den Drei Juwelen empfing er von der Ehrwürdigen Thích Nữ Diệu Tâm im Chùa Bảo Quang in Hamburg. Dabei erhielt er den Dharmanamen Viên Đồng, unter dem er die buddhistische Lehre kennenlernte und in die vietnamesische Mahāyāna-Tradition hineinwuchs.
Vor seinem Ordenseintritt absolvierte er zwei kaufmännische Berufsausbildungen und war anschließend neun Jahre in einem internationalen Unternehmen tätig. Bereits in jungen Jahren engagierte er sich ehrenamtlich und gründete 2006 einen gemeinnützigen Tanzverein. Später war er in der Hamburger Eventbranche tätig und machte sich 2014 selbstständig. Mit der Gründung einer gemeinnützigen Hilfsorganisation im Jahr 2016 weitete er sein soziales Engagement auf Projekte in Deutschland, Vietnam, Nepal und Indien aus. Während dieser Zeit reifte der Entschluss, sein Leben vollständig dem buddhistischen Weg zu widmen.
Am 9. Februar 2019 trat er im Stammkloster Viên Giác in die Hauslosigkeit ein und empfing am 2. September 2019 die Śrāmaṇera-Ordination (Sa-di). Seine Ausbildung setzte er anschließend im Viên Lạc Kloster unter der persönlichen Anleitung seines Lehrers fort. Dort erhielt er seine grundlegende monastische Ausbildung und vertiefte insbesondere die Praxis des Silent Illumination (Stilles Erleuchten), die bis heute den Schwerpunkt seines Meditationsweges bildet.
Im Jahr 2022 legte Thích Thông Kiên die Robe nieder und kehrte vorübergehend ins weltliche Leben zurück. Während dieser Zeit blieb er der Klostergemeinschaft Viên Lạc eng verbunden, unterstützte weiterhin Meditationskurse und vertiefte seine persönliche Praxis. Gleichzeitig nutzte er diese Zeit für verschiedene Aus- und Weiterbildungen. Er qualifizierte sich als Tee-Sommelier mit den Schwerpunkten Gong Fu Cha, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Teekultur. Darüber hinaus absolvierte er Weiterbildungen in Ayurveda sowie als Fachpraktiker für Gesundheitsprävention. Am 5. September 2024 nahm er die Śrāmaṇera-Ordination wieder auf. Im selben Jahr schickte ihn sein Wurzel-Lehrer nach Vietnam und praktizierte mehrere Monate in einem Kloster der Trúc-Lâm-Meditationstradition in Đồng Nai.
Am 18. März 2025 empfing Thích Thông Kiên im Kloster Bát Nhã in Huế die Bhikṣu-Ordination (Thọ Cụ Túc). Zur Vorbereitung auf die Vollordination verbrachte er zunächst einen Monat im Wurzelkloster Chúc Thánh in Hội An, dem Stammkloster der Lâm-Tế-Chúc-Thánh-Tradition, und anschließend einen weiteren Monat im Chùa Từ Ân in Huế, wo er sich intensiv auf die Ordination vorbereitete.
Neben seiner klösterlichen Ausbildung widmet sich Thích Thông Kiên einem traditionsübergreifenden Studium des Buddhismus. Er absolvierte den Nalanda Diploma Course des Tibet House New Delhi unter der Leitung von Geshe Dorji Damdul und vertiefte dort die Philosophie der Gelug-Tradition des tibetischen Buddhismus.
Im Jahr 2026 setzte er seine Chan-Ausbildung im Dharma Drum Retreat Center in Pine Bush, New York, fort und studierte unter Guo Yuan die Methode des Hua Tou. Die Dharma Drum Mountain-Tradition besitzt für ihn eine besondere Bedeutung, da auch sein Wurzellehrer Thích Hạnh Giới dort einen wesentlichen Teil seiner Chan-Ausbildung erhielt.
Im Mai und Juni 2026 nahm Thích Thông Kiên am Mahāmudrā Transmission Retreat im Tergar Osel Ling Monastery in Kathmandu, Nepal, teil. Die Übertragung wurde unter der Leitung von H.H. Tai Situ Rinpoche, Mingyur Rinpoche und Gyatson Rinpoche erteilt. Mit dem Empfang dieser Mahāmudrā-Übertragung widmet er sich bis zum Jahr 2031 einer vertieften Praxis innerhalb der Kagyü-Tradition, ergänzend zu seiner Ausbildung in der vietnamesischen Lâm-Tế-Linie.
Neben seinem Studium und seiner Lehrtätigkeit widmet er sich regelmäßig längeren solitären Meditationsretreats, um seine Praxis in Stille zu vertiefen. Sein Übungsweg verbindet Chan-Meditation, Silent Illumination, die Reines-Land-Praxis sowie ausgewählte Studien der Gelug- und Kagyü-Traditionen.
Sein besonderes Anliegen ist es, die verschiedenen buddhistischen Überlieferungen in ihrem gemeinsamen Kern – Mitgefühl, Weisheit und meditative Erfahrung – zu verbinden und Menschen einen authentischen Zugang zum Buddha-Dharma zu eröffnen. Durch kontinuierliches Studium, intensive Praxis und den Dialog zwischen den Traditionen möchte er dazu beitragen, die Lehren des Buddha verantwortungsvoll und zeitgemäß weiterzugeben.