Unsere Geschichte
Ven. Thích Hạnh Giới kehrt nach dem Abschluss seines Chan-Studiums in Taiwan nach Deutschland zurück und übernimmt für zehn Jahre das Amt des Abtes des Stammklosters Viên Giác in Hannover.

Mit der Unterstützung buddhistischer Förderer aus Deutschland aus der vietnamesischen Tradition erwirbt Ven. Thích Hạnh Giới das Gebäude und das Grundstück, auf denen später das Viên Lạc Retreat Center entsteht. Gemeinsam mit seinem ersten Schüler, Bhikṣu Thích Thông Giáo, sowie zahlreichen Helferinnen und Helfern aus der buddhistischen Gemeinschaft beginnt er mit der umfassenden Renovierung des Gebäudes.

Das Retreat Center erhält Zuwachs. Die zweite Schülerin Thich Thong Man und der dritte Schüler Thich Thong Kien ordinieren. Gemeinsam weiten sie in den kommenden Jahren die Räumlichkeiten aus, um Seminare und Retreats anzubieten.

Nach einer Pilgerreise nach Indien kehren Thích Hạnh Giới und seine Schüler Thích Thông Mẫn und Thích Thông Kiên mit buddhistischen Reliquien nach Deutschland zurück. Mit Unterstützung von Thích Hạnh Nhơn wird innerhalb von zwei Wochen eine Amitāyus-Stupa errichtet. In den darauffolgenden Monaten entstehen zudem eine Maitreya-Stupa, ein Zen-Garten sowie ein Medizin-Buddha-Haus.
Ordensgemeinschaft Vien Lac
Impression
Die Tradition der Lâm Tế- Chúc Thánh Linie
Die Lâm Tế-Tradition (vietnamesisch für die chinesische Linji-Linie des Zen-Buddhismus) gehört zu den einflussreichsten Schulen des Mahāyāna-Buddhismus in Ostasien. Sie zeichnet sich durch eine direkte, lebendige und oft radikale Praxis des Erwachens aus, in der nicht theoretische Spekulation, sondern unmittelbare Erfahrung des Geistes im Zentrum steht.
Ursprung der Linie
Die Wurzeln der Lâm Tế-Tradition gehen auf den chinesischen Chan-Meister Linji Yixuan (Lâm Tế Nghĩa Huyền) zurück, der im 9. Jahrhundert lebte. Seine Lehren waren geprägt von Klarheit, Direktheit und dem Aufbrechen konzeptueller Fixierungen. Der berühmte Ruf „Wenn du den Buddha triffst, töte den Buddha“ ist kein Aufruf zur Zerstörung, sondern ein Hinweis darauf, jede Anhaftung an Konzepte – selbst spirituelle – loszulassen.
Von China aus verbreitete sich diese Linie nach Vietnam, wo sie sich tief mit der lokalen Kultur, dem Volksglauben und der meditativen Praxis verband.
Ein Gemälde vom Linienmeister Linji Yixuan
Die Entwicklung in Vietnam
In Vietnam wurde die Lâm Tế-Schule zu einer der zentralen Zen-Traditionen, besonders im zentralen und südlichen Raum. Sie wurde nicht nur in Klöstern gepflegt, sondern auch in der Laiengemeinschaft weitergegeben. Charakteristisch ist eine Verbindung aus strenger Meditationspraxis (Thiền), ethischer Disziplin (Vinaya) und einem pragmatischen Zugang zum täglichen Leben.
Die Linie hat sich über viele Generationen von Meistern weiterentwickelt, wobei jede Generation nicht nur Lehre weitergibt, sondern sie durch eigene Verwirklichung lebendig hält.
Ein Gemälde vom Patriachen Chúc Thạnh
Wurzel-Lehrer Chúc Thánh – Lâm Tế-Traditionslinie
Innerhalb dieser langen Überlieferung steht der Gründungsmeister Chúc Thánh in der vietnamesischen Lâm Tế-Linie als ein bedeutender Übertragungsträger. Seine Rolle wird in der Tradition vor allem im Kontext der Weitergabe von Dharma und der Stabilisierung der klösterlichen Praxis verstanden.
Chúc Thánh repräsentiert dabei nicht nur eine historische Figur, sondern vor allem die lebendige Kontinuität der Linie: die direkte Weitergabe von Geist zu Geist (tâm truyền tâm), die im Zen-Buddhismus zentral ist.
Seine Bedeutung liegt weniger in schriftlichen Werken als in der Verkörperung der Praxis selbst – Stille, Disziplin, Klarheit und Mitgefühl im täglichen Leben. In der vietnamesischen Zen-Tradition wird genau diese Form der Weitergabe als das eigentliche „Herz der Linie“ verstanden.
Die Essenz der Linie: Direktes Erwachen
Die Lâm Tế-Tradition betont, dass Erwachen nicht außerhalb des eigenen Geistes zu finden ist. Meditation (Thiền) dient nicht dem Erreichen eines äußeren Ziels, sondern dem direkten Erkennen der eigenen Natur.
Typische Elemente der Praxis sind:
Zazen (Sitzen in Stille)
Koan-ähnliche direkte Befragung des Geistes
Achtsamkeit im Alltag
strenge ethische Disziplin (Vinaya)
intensive Lehrer-Schüler-Übertragung
Die Linie lebt davon, dass jede Generation das Dharma nicht nur bewahrt, sondern erneut verkörpert.
Bedeutung für die heutige Zeit
In der modernen Welt bietet die Lâm Tế-Tradition einen Gegenpol zur ständigen Reizüberflutung und Konzeptualisierung. Sie erinnert daran, dass Klarheit nicht durch mehr Wissen entsteht, sondern durch direktes Sehen der Realität.
Gerade in Kloster- und Retreat-Kontexten wird diese Linie heute weiterhin praktiziert, um Menschen wieder mit einer einfachen, unmittelbaren Erfahrung des Geistes zu verbinden.
Die Lâm Tế-Linie ist keine rein historische Überlieferung, sondern eine lebendige Praxislinie. In der Figur des Patriarchen Chúc Thạnh wird diese Kontinuität sichtbar: nicht als Theorie, sondern als gelebte Stille, Disziplin und Mitgefühl – weitergegeben von Generation zu Generation, jenseits von Worten.



































